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Anleitung für Siebträger

Espresso einstellen: sauer, bitter, Mahlgrad und Brew Ratio

Neue Bohne, neuer Geschmack, und der Espresso schmeckt plötzlich spitz oder bitter? Hier steht, woran du erkennst, was fehlt, welche Zielwerte für deine Röstung gelten und was du zuerst änderst. Das ist dieselbe Logik, nach der auch die App Mullino arbeitet.

Von Mullino · Stand: Oktober 2026 · etwa 7 Minuten Lesezeit

Die drei Stellschrauben

Beim Einstellen geht es darum, wie viel das Wasser aus dem Kaffee löst. Fachleute nennen das Extraktion. Zu wenig schmeckt sauer, zu viel bitter. Drei Dinge steuern das:

Mahlgrad
Die wichtigste Stellschraube. Feiner gemahlen bremst das Wasser, der Bezug dauert länger und löst mehr. Gröber gemahlen lässt das Wasser schneller durch.
Dosis
Die Menge Kaffeepulver im Sieb. Sie richtet sich nach deinem Sieb, beim Doppelsieb meist 16 bis 20 g. Leg sie einmal fest und ändere sie danach kaum noch.
Ausbeute und Brew Ratio
Wie viel Espresso in der Tasse landet, gewogen in Gramm. Das Verhältnis zur Dosis heißt Brew Ratio: 18 g rein, 36 g raus ist 1:2. Mehr Ausbeute löst mehr und schmeckt runder, aber auch dünner. Weniger Ausbeute ist konzentrierter.

Dazu kommen, je nach Maschine, die Brühtemperatur und die Preinfusion. Beides ist Feinschliff, wenn die drei Stellschrauben stimmen.

Sauer oder bitter? So schmeckst du den Unterschied

Sauer: zu wenig gelöst

Spitz wie Zitrone, manchmal leicht salzig, dünner Körper, kurzer Nachgeschmack. Der Bezug läuft oft schnell, die Crema ist hell und vergeht rasch.

Bitter: zu viel gelöst

Trocken und zusammenziehend im Mund, hohl, mit langem bitterem Nachgeschmack. Der Bezug läuft oft langsam, die Crema ist dunkel und fleckig.

Nicht jede Säure ist ein Fehler. Helle Röstungen haben eine fruchtige Säure, die so gewollt ist. Ein Fehler ist es, wenn sie spitz und unangenehm wird. Deshalb fragt Mullino nicht „sauer: ja oder nein“, sondern hat zwei Regler von „keine“ bis „sehr stark“.

Zielwerte nach Röstgrad

Helle Röstungen sind dichter und lösen sich schwerer. Sie brauchen mehr Wasser und mehr Zeit. Dunkle Röstungen lösen sich leicht und werden schnell bitter.

Startwerte für ein Doppelsieb. Richtwerte, keine Gesetze: Wenn es schmeckt, ist es richtig.
RöstungBrew RatioBeispiel bei 18 gBezugszeitTemperatur, falls einstellbar
Hell1:2,545 g27–35 seher heißer, etwa 93–96 °C
Mittel1:236 g25–32 setwa 91–94 °C
Dunkel1:1,7531,5 g22–30 seher kühler, etwa 88–92 °C

Die Zeit zählt ab dem Start der Pumpe, nicht ab dem ersten Tropfen.

Schritt für Schritt zum guten Espresso

  1. Maschine richtig aufheizen. Eine E61-Gruppe braucht etwa 25 bis 30 Minuten, auch wenn das Manometer früher bereit zeigt. Bei Thermoblock-Maschinen hilft ein Leerbezug mit eingespanntem Siebträger, damit Siebträger und Tasse warm sind.
  2. Startrezept wählen. Dosis abwiegen, Ziel-Ausbeute nach Röstgrad aus der Tabelle oben.
  3. Puck vorbereiten. Pulver gleichmäßig verteilen, am besten mit einem WDT-Werkzeug (feine Nadeln), dann gerade tampen. Fester tampen bringt wenig, gerade tampen viel.
  4. Mit Waage und Timer beziehen. Tasse auf die Waage, Timer mit der Pumpe starten, bei der Ziel-Ausbeute stoppen.
  5. Probieren und bewerten. Wie sauer, wie bitter, wie kräftig? Einmal umrühren, dann probieren, weil sich Crema und Espresso schichten.
  6. Genau eine Sache ändern. Nach der Fehlertabelle unten. Wer zwei Dinge gleichzeitig ändert, weiß hinterher nicht, was gewirkt hat.
  7. Wiederholen und notieren. Meist bist du nach drei bis fünf Bezügen da. Schreib das Rezept auf, dann sparst du dir das Raten bei der nächsten Tüte.

Fehlerbilder und was du änderst

Was du schmeckst oder siehstWahrscheinliche UrsacheWas du änderst
Sauer, läuft zu schnellzu grob gemahlenfeiner mahlen
Sauer, Zeit passtzu wenig Wasser für diese BohneAusbeute erhöhen, z. B. 36 auf 40 g
Bitter, läuft zu langsamzu fein gemahlengröber mahlen
Bitter, Zeit passtzu viel gelöstAusbeute senken, z. B. 36 auf 32 g, oder 1–2 °C kühler
Sauer und bitter zugleichChanneling: Wasser sucht sich Kanälebesser verteilen (WDT), gerade tampen
Wässrig und dünnzu viel Ausbeute für diese DosisAusbeute senken
Spritzer, Löcher im Puckungleichmäßige VerteilungVerteilung verbessern, Sieb sauber und trocken
Gleiche Einstellung, plötzlich andersBohne altert, Maschine nicht warmAufheizzeit prüfen, Röstdatum beachten

Mahlgrad richtig verstellen

Frische der Bohnen

Achte auf das Röstdatum auf der Packung. Sehr frische Bohnen, jünger als etwa 5 Tage, geben noch viel Kohlendioxid ab und laufen unruhig. Ab etwa 6 Wochen nach der Röstung lässt das Aroma nach und der Espresso läuft oft schneller, dann musst du feiner nachstellen. Dazwischen schmeckt Espresso meist am ausgewogensten.

Mullino macht das für dich

Trag deinen Bezug ein, schieb zwei Regler für Säure und Bitterkeit, und die App sagt dir nach genau diesen Regeln, was du als Nächstes änderst. Abgestimmt auf deine Maschine, deine Mühle und deine Bohne.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ein Espresso durchlaufen?

Bei einer mittleren Röstung etwa 25 bis 32 Sekunden ab Pumpenstart. Helle Röstungen dürfen länger laufen, etwa 27 bis 35 Sekunden, dunkle kürzer, etwa 22 bis 30 Sekunden. Die Zeit ist ein Hinweis, entscheidend ist der Geschmack.

Welche Brew Ratio ist die richtige?

Ein guter Start ist 1:2, also doppelt so viel Espresso in der Tasse wie Kaffeepulver im Sieb. Ein Ristretto liegt eher bei 1:1 bis 1:1,5, ein Lungo bei 1:3 und mehr. Helle Röstungen schmecken oft mit 1:2,5 besser, dunkle mit 1:1,75.

Warum ist mein Espresso sauer?

Er ist unterextrahiert: Das Wasser hat zu wenig gelöst. Meist ist der Mahlgrad zu grob oder die Ausbeute zu klein. Läuft er zu schnell, mahle feiner. Passt die Zeit, lass mehr durchlaufen. Auch eine kalte Maschine macht Espresso sauer.

Warum ist mein Espresso bitter?

Er ist überextrahiert: Das Wasser hat zu viel gelöst. Läuft er zu langsam, mahle gröber. Passt die Zeit, nimm weniger Ausbeute oder senke die Temperatur. Sehr dunkle Röstungen schmecken auch richtig eingestellt kräftig bitter.

Wie viel Kaffee gehört ins Doppelsieb?

Meist 16 bis 20 g. Viele Siebe haben die Nenngröße eingeprägt, sonst steht sie in der Anleitung deiner Maschine. Zu viel Pulver berührt die Brühgruppe, zu wenig macht einen nassen, weichen Puck.

Brauche ich eine Waage?

Ja, eine Waage mit 0,1 g Auflösung macht Bezüge vergleichbar. Ohne Waage weißt du nicht, ob sich der Geschmack wegen des Mahlgrads oder wegen einer anderen Menge geändert hat. In Mullino trägst du das Leergewicht von Siebträger und Tasse einmal ein, dann musst du nicht tarieren.